Nachgefragt!
Dr. Joachim Philippi gibt Antworten zum Thema Cloud Computing.

Cloud Computing gehört für die Fachwelt zu den großen Trends des Jahres. Aber was sind eigentlich die Vorteile für Unternehmen, wenn sie ihre IT-Rechenkapazität, Speicherplatz und Anwendungen bei externen Anbietern über das Internet beziehen?

Der größte Vorteil des Cloud Computing ist die große Flexibilität. Das beginnt bei der betriebswirtschaftlichen Seite: Statt große Beträge in die Anschaffung eigener IT-Ausstattung zu investieren, die über viele Jahre den wechselnden Anforderungen genügen muss, kann flexibel Kapazität eingekauft werden. Damit lassen sich Investitionskosten in Betriebskosten umwandeln: Die genutzte Kapazität lässt sich kurzfristig variabel an den tatsächlichen Bedarf anpassen und bezahlt wird nur, was auch verbraucht wird. Ein weiterer Vorteil von Cloud Computing: Software-Updates werden zentral vom Anbieter erledigt. Den Mitarbeitern der Kunden stehen die aktuellen Versionen ohne großen Zeitabstand zur Verfügung.

Wie ist es beim Cloud Computing um die IT-Sicherheit bestellt? Besteht nicht die Gefahr, dass ausgelagerte Daten einfacher gestohlen oder manipuliert werden können?

 
Das Sicherheitsrisiko beim Cloud Computing ist nicht weg zu leugnen, ist aber durchaus mit der Bedrohung für unternehmensinterne IT-Lösungen zu vergleichen. Jedes Computersystem mit Anbindung zum Internet ist potenziell Angriffen ausgesetzt. Viel entscheidender als diese allgemeine Bedrohung ist allerdings die Frage, wie Cloud Computing-Anbieter selbst mit den Kundendaten umgehen. Wenn Unternehmen kritische Informationen sozusagen in fremde Hände geben, spielt Vertrauenswürdigkeit eine entscheidende Rolle. Nicht zuletzt müssen rechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden. Insbesondere bei der Verarbeitung personenbezogener Daten setzen sie einer möglichen Cloud-Lösung enge Grenzen.

Wie können Unternehmen die Vorteile des Cloud Computing nutzen, ohne bei der Datensicherheit unnötige Risiken einzugehen?

Ein Ansatz sind Mischlösungen: Bestimmte Bereiche der IT können durchaus zu externen Anbietern ausgelagert werden, beispielsweise Anwenderprogramme im Bereich Kundenmanagement als Software as a Service (SaaS). Eine andere Strategie ist der Aufbau einer "Private Cloud“ in der Unternehmens-IT, ein Prinzip, das auf dem Konzept der Virtualisierung aufsetzt. Dabei teilen sich die Mitarbeiter IT-Kapazität auf zentralen Servern, die sich dynamisch am aktuellen, individuellen Bedarf ausrichtet. Dies ermöglicht die optimale Auslastung des Systems, was nicht nur die Anschaffungskosten gering hält, sondern auch die laufenden Ausgaben senkt. Viele Server in Unternehmensrechenzentren laufen heute mit einer Auslastung von weniger als 15 Prozent. Mit Virtualisierung und Einsatz der "Private Cloud“ kann eine Auslastungssteigerung auf bis zu 85 Prozent erreicht werden – mit entsprechenden Einsparungen bei Beschaffung und Betrieb, zum Beispiel bei den Energiekosten.

 

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Experteninfo: Dr. Joachim Philippi ist Bereichsvorstand Cross Industry Solutions bei Steria Mummert Consulting. In dieser Rolle verantwortet er alle branchenübergreifenden Solution Center des Unternehmens.
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