Studie: Europäische Finanzbranche fürchtet steigendes Betrugsrisiko

16. Juni 2009


76 Prozent der führenden Finanzinstitute in Europa gehen davon aus, dass die Betrugsrisiken für Banken in den kommenden Jahren steigen werden. Um dem entgegenzutreten, sehen die Compliance-Experten die größten Herausforderungen im IT-Bereich und in den damit verbundenen Betrugsfeldern. Bei den Maßnahmen zur Betrugsprävention zeigen sich in den europäischen Ländern jedoch deutliche Unterschiede. Während die deutschen Institute ihre IT-Überwachung verstärkt auf den Insiderhandel und Marktmanipulationen konzentrieren (71 Prozent), zielt das europäische Ausland vor allem auf Prävention im Zahlungsverkehr (92 Prozent). Das ist das Ergebnis der Studie „Wirtschaftskriminalität in der Finanzbranche“, die von Steria Mummert Consulting erstellt wurde.

Neben den rein finanziellen Schäden drohen auch Reputationsrisiken für Banken und Finanzdienstleister, wenn Betrugsversuche zum Erfolg führen. Daher setzen die Institute in Europa zahlreiche Methoden ein, um mit Anti-Fraud-Maßnahmen eine wirksame Risikoabsicherung gegen Betrugsstraftaten aufzubauen. Als besonders effektiv haben sich dabei aus Sicht der Compliance-Experten die Funktionstrennung (72 Prozent), das 4-Augen-Prinzip (68 Prozent) und die Einführung einer internen Revision (65 Prozent) erwiesen. Mit einer Kombination relativ kostengünstiger und bekannter Maßnahmen wie diesen können Unternehmen nach eigenen Angaben häufig eine wirksame Basis-Risiko-Absicherung erzielen, wie die Studie ergab.

Für mittlere bis große Institute sind dabei aufgrund der Vielfalt und Komplexität der zu untersuchenden Daten IT-Systeme unumgänglich. Knapp drei Viertel der Institute gaben an, dass sie IT-gestützte Lösungen für ihre Transaktionsüberwachung verwenden. Der für die IT-Überwachung nötige Indizienkatalog wird jedoch von der Mehrheit der Institute (62 Prozent) nur unregelmäßig und anlassbezogen aktualisiert. Anlassbezogene Updates in kürzerer Taktung wie zum Beispiel wöchentlich (fünf Prozent), monatlich (drei Prozent) oder quartalsweise (13 Prozent) werden nur von einer Minderheit der Institute durchgeführt.

 

Video- und Audiocasts
von Bernd Michael Lindner,
Compliance Experte von
Steria Mummert Consulting

 

 Wo sehen die Banken Europas die größten Betrugsrisiken in den kommenden Jahren? (wmv-Datei, 3,3 MB)

Was sollten die Institute unternehmen, um der Wirtschaftskriminalität künftig gewachsen zu sein? (wmv-Datei, 4,2 MB)

Gibt es länderspezifische Unterschiede in der Betrugsprävention? (wmv-Datei, 2,4 MB)

 
Banken und Finanzinstitute rechnen mit einem Anstieg der Betrugsrisiken.

Hintergrundinformationen
Die Studie „Wirtschaftskriminalität in der Finanzbranche“ unter europäischen Banken und Finanzinstituten wurde von Steria Mummert Consulting im Mai 2009 abgeschlossen. Dabei wurden in den 22 Ländern des geografischen Europa außerhalb Deutschlands die jeweiligen Top 10 Institute auf Basis des Umsatzes ausgewählt.